Rettungsgespräche in Griechenland abgebrochen – Delegierte abgereist – und nun ?

Die Gespräche zur Rettungs Griechenlands in Athen wurden abgebrochen, der Chefunterhändler Charles Dallara und sein Berater Jean Lemierre sind bereits wieder nach Paris abgereist. Offiziell heisst es natürlich, daß die Gespräche nur „unterbrochen“ sind, man wolle nochmal telefonieren.

Im Kern geht es wohl darum, daß man sich nicht darauf einigen kann, wer „freiwillig“ in mindestens dreistelliger Milliardenhöhe auf die Rückzahlung von Anleihen verzichten soll, man müsste zahlreiche Banken, Hedgefonds, Pensionsfonds und Versicherungen an einen Tisch bekommen und alle sollen auf Milliarden verzichten. Und eben das wollen nicht alle einheitlich, warum auch?

Damit wird es für Athen langsam zeitlich etwas eng, denn es stehen bald wieder griechische Staatsanleihen zur Rückzahlung an und noch ist dafür kein Geld da.

Italiens Staatschef Monti machte daher den glorreichen Vorschlag, den Euro-Rettungsschirm doch einfach zu verdoppeln, statt rund 500 Milliarden Euro sollte man ihn auf 1 Billion Euro verdoppeln, um Griechenland, Frankreich und möglicherweise Italien über den Berg zu helfen…

Analysten werten den Abbruch der Gespräche zwischen der griechischen Regierung und dem Internationalen Bankenverband als negativ. Eigentlich wollte man noch – bevor sich die EU-Finanzminister diese Woche wieder alle treffen – eine Lösung verkünden. Das fällt jetzt erstmal aus.

Den Banken hatte man angeboten, die griechischen Staatsanleihen zu 70% auszubuchen, – im Tausch könne man dann aber tolle 30jährige Staatsanleihen Griechenlands mit 4% erhalten. Ob diese allerdings in 30 Jahren wahrscheinlicher zurückgezahlt werden können, als jetzt, vermochte niemand zu sagen. Ob 4% eine angemessene Verzinsung für so einen schlechten, zahlungsunkräftigen Schuldner sind, darf gleichfalls bezweifelt werden.

Nachdem die Informationen über den Abbruch der Gespräche publik wurden, bemühte man sich natürlich mitzuteilen, daß die Abreise schon lange so geplant gewesen sei und daß natürlich noch – nur von anderen Leuten – weiterverhandelt würde. Der Chefunterhändler hätte noch einen wichtigen privaten Termin. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…