Griechenland stimmt zu, daß es weniger Geld zurückzahlt – verkehrte Welt beim Schuldenschnitt

Griechenland hat darüber abgestimmt, daß man den Gläubigern der griechischen Anleihen weniger Geld zurückzahlt, als ursprünglich zugesagt.

Verkehrte Welt. Das ist ungefähr so, als wenn Sie und Ihr Ehepartner sich bei der Bank einen Kredit nehmen und dann nach einem Jahr zuhause abstimmen, daß sie das nicht mehr zurück zahlen wollen. Dann gehen Sie zusammen zur Bank und teilen mit, daß Sie abgestimmt hätten, nicht mehr zurück zu zahlen und die Bank möge doch bitte freiwillig auf ihre Forderung verzichten. Gleichzeitig demonstrieren Sie, wenn die Bank zustimmt, vor der Bank, wie böse die Bank doch ist.

Genauso passiert es jetzt in Griechenland: Das griechische Parlament stimmt ab, ob wir, die Gläubiger unser Geld zurück bekommen oder nicht. Privatgläubiger sollen auf 53,5% der ursprünglichen Forderung verzichten und auch in Zukunft weniger Zinsen bekommen, als zugesagt und die auch noch später. Insgesamt kommt dies einem Forderungsausfall von ca. 74% gleich.

Parlamentspräsident Kourakis sagte, daß Parlament habe dem entsprechenden Antrag ohne Abstimmung zugestimmt, weil die Regierungsmehrheit dies so beschlossen habe.

Bis Freitag dieser Woche sollen die Bedingungen konkret den Gläubigern, d.h. den Besitzern von Staatsanleihen vorgelegt werden.Stimmen mind. 50% der Gläubiger zu, werden die Anleihebedingungen rückwirkend so geändert, wie Griechenland dies gerne hätte und zwar für alle. Auch für die, die nicht zugestimmt haben.

Ein mindestens bemerkenswertes Rechtsverständnis, nach dem zweiseitige Verträge einseitig geändert werden können.

Wegen der Vorgespräche mit dem internationalen Bankenverband geht man davon aus, daß mehr als 50% der Gläubiger mehr oder weniger murrend zustimmen werden, – dann werden die Anleiheklauseln rückwirkend revidiert.

Für viele deutsche Banken und Versicherungen bedeutet Griechenland ein Fiasko:

Die Allianz mußte um über 500 Millionen Euro wertberichtigen, bei der Hypo Real Estate stehen wohl Wertberichtigungen von mehreren Milliarden Euro im Raum.

Letztendlich wird es der Verbraucher und Steuerzahler zu zahlen haben. Durch höhere Steuern oder niedrigere Erträge bei der Geldanlage in Lebensversicherungen.

Von „freiwillig“ kann bei diesem Schuldenschnitt nur schwerlich die Rede sein. Den Goldpreis befördert das Hickhack um Griechenland stetig weiter nach oben. Aktuell notiert der Goldpreis bei 1339 Euro die Unze, auch der Silberpreis ist mit 26,66 Euro/Unze deutlich fester.