Ökonomen warnen: „Das Schuldenabkommen ist ein Desaster“

Liebe Leser,

wie Sie sicherlich in TV-Nachrichten oder Printmedien oder im Radio oder im Internet erfahren haben, ist die drohende Insolvenz der USA gerade noch einmal abgewendet worden. Am gestrigen Montag abend hat das Repräsentantenhaus dem Schuldenabkommen zugestimmt (wir berichteten). Die Zustimmung des Senats – Abstimmung heute gegen 18 Uhr MESZ – gilt als Formsache.

Eine Äußerung der Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch steht nach wie vor aus. Hier wird es spannend zu sehen, ob den USA das „AAA“ Spitzenrating trotz des Schuldenabkommen aberkannt wird.

Doch auch andernorts wird das Schuldenabkommen kritisch gesehen. Am deutlichsten wird Paul Krugman, der 2008 den sog. Wirtschaftsnobelpreis erhalten hat, wenn er in seiner Kolumne für die New York Times schreibt: „Das Schuldenabkommen ist ein Desaster, nicht nur für Obama und seine Partei: Es wird eine bereits am Boden liegende Wirtschaft weiter beschädigen und Amerikas Defizitproblem wahrscheinlich verschlimmern, nicht verringern.“

In das selbe Horn bläst auch Richard Koo, der Chefvolkswirt der renommierten japanischen Investment-Bank Nomura, der sagt: „Bei weiteren Einsparungen droht den USA ein double-dip, wenn nicht sogar eine Deflationsspirale.“ Er spricht dabei davon, das die USA im Begriff sind, analog zu Japan die selben Fehler zu begehen, die Japan für 10 Jahre in die Rezession gerissen haben. Japan ereilte das Schicksal in den 90er Jahren. Das Land hatte eine schwere Bankenkrise zu bewältigen. Die im Schuldenabkommen beschlossenen Einsparungen würden faktisch bedeuten, dass Privatsektor und Staatskasse gleichzeitig versuchen, Schulden abzubauen bzw. sich zu entschulden. Die Lehre aus der 10jährigen Rezession in Japan müsste dageben sein, das dies nicht machbar ist und die USA nur in noch größere Schwierigkeiten bringen wird. Koo: „Es ist traurig zu sehen, dass die USA, Großbritannien und Europa diesen Fehler nun wiederholen.“

Auch der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Barry Eichengreen von der Universität Berkeley warnt, dass der Sparkurs, der im Schuldenabkommen beschlossen wurde, das Wirtschaftswachstum in den USA und der Welt nachhaltig schwächen kann.

Wirtschaftliche Anreize wären eigentlich nötig, doch aufgrund des Schuldenabkommen sind der US-Regierung die Hände gebunden, was zur Folge hat, das nun die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gefordert ist. Deren Präsident Ben Bernanke hat sich bisher noch nicht geäußert. US-Ökonomen erwarten für die nahe Zukunft, dass die Fed „Quantitative Easing 3“ (QE3) ankündigen wird und wieder massiv US-Staatsanleihen aufkaufen wird mit frisch gedrucktem Geld. Eichengreen sagt dazu: „Es ist Zeit für eine weitere Runde der quantitativen Lockerung, obwohl der politische Gegenwind stark sein wird.“ Erst im Juni war QE2 ausgelaufen, in dessen Rahmen die Fed US-Staatsanleihen für 600 Mrd. US-Dollar aufgekauft hat. Und QE3 wird angesichts miserabler US-Wirtschaftsdaten wohl recht drigend gebraucht. So ist der ISM-Einkaufsmanagerindex deutlich stärker zurückgegangen als erwartet und auch die Daten des US-Häusermarktes sind alles andere als gut. Gepaart mit einer bei ca. 9% stagnierenden Arbeitslosenquote und gerade mal ca. 0,9% Wirtschaftswachstum ist man geneigt, zu sagen: „Ja, QE3 muss kommen.“

Warten wir ab, wie sich die Lage in den USA mit dem Schuldenabkommen entwickelt. Es bleibt wohl weiter spannenden.

J. vom 321GoldundSilberShop

(Quelle: HandelsBlatt.com)