Berlusconis Staatsanwälte machen Razzia bei Ratingagenturen

Wer Italiens Bonität als Ratingagentur herunterstuft oder auch nur androht herunter zu stufen, muß damit rechnen, sich in der Regierung und Justiz in Italien keine Freunde zu machen. Berlusconi und seine Hilfskräfte ergreifen dann auch schon einmal unkonventionelle Maßnahmen:

Die Ratingagenturen Moody´s und Standard & Poors haben dies jetzt in Italien am eigenen Leib erfahren: Dort wurde kurzerhand von der italienischen Justiz einmal eine Razzia in den Geschäftsräumen gemacht, wo kein Stein auf dem anderen blieb.

Als Begründung gab die Staatsanwaltschaft an, daß es bei italienischen Aktien zu Schwankungen bei der Preisnotierung gekommen sei. Die Schwankungen seien durch Nachrichten aus den Ratingagenturen verursacht worden, daher müsse man umfangreiche Akten erst einmal beschlagnahmen.

Eine Ratingagentur habe zudem darüber berichtet, daß Italien auch durch die Krise in Griechenland grundsätzlich gefährdet sei, weil es internationale Bankenverbindungen gebe, die eine Finanzkrise nicht nur in einem Land ließe, sondern für eine globale Ausbreitung sorge.

Berlusconi hatte an die Anleger appelliert, doch keine italienischen Aktien zu verkaufen, dies wäre für das Land nicht gut.

Schön zu sehen, daß Berlusconi zwischen seinen zahlreichen privaten Aktivitäten auch im hohen Alter noch Zeit gefunden hat, um die Anleger aufzufordern, doch weiter in Italien zu investieren, – obwohl dort vieles drunter und drüber geht.

Bereits im alten Rom und Griechenland hat man den Überbringer schlechter Nachrichten getötet.

Ob allerdings im 21.Jahrhundert nach Christus die Strategie aufgeht, durch Hausdurchsuchungen und Razzien denjenigen mundtot zu machen, der über kritische Zustände berichtet oder ob es nicht doch besser wäre, seine Energie darauf zu richten, die schlechten Zustände zu verbessern, darf fraglich bleiben.