So betrügt man in Griechenland den Staat und damit auch uns

Das Leben war so schön auf der griechischen Insel Zakynthos. So schön. Bis ein neuer Bürgermeister gewählt wurde. Der hatte sich gewundert, warum die Gemeinde pro Jahr nur 3,5 Millionen Steuern einnahm, aber bereits 50 Millionen Schulden aufgehäuft hatte.

Also ging er der Sache einmal nach…

Es stellte sich heraus, daß die Einwohner nahezu allesamt den Staat und die Gemeinde in Kooperation mit dem alten Bürgermeister betrogen haben. Systematisch. So wird z.B. in Griechenland die Höhe der Steuern in vielen Fällen nach der Grösse der Immobilie bemessen. Wer viele Immobilien hat, zahlt viel Steuern, wer wenig hat, zahlt wenig. Oft wird die Steuer nach Quadratmetern bemessen und mit der Stromrechnung zusammen eingezogen, – das einzig verlässliche System in Griechenland.

Neue Besen kehren gut. Der neue Bürgermeister ließ nun als erstes systematisch alle Immobilien überprüfen und stellte fest, daß es Immobilien mit 6,2 Millionen Quadratmetern auf der Insel gab, aber nur für 2,8 Millionen wurden Steuern gezahlt, d.h. mehr als jeder zweite betrügt das Finanzamt, in dem er gar keine Steuern zahlt.

Dabei ist es in den vergangenen Jahren auch nicht aufgefallen, daß ein großes Hotel mit 6200 Quadratmetern angab, nur 60qm Fläche zu haben und damit auch nur ein Hundertstel der fälligen Steuern zahlte. Eine 880qm-Villa mit schönem Pool im Garten wurde als Villa mit 20qm Wohnfläche gemeldet. Ein zweistöckiger Wohnblock mit 938qm an Wohnungen wurde mit 40qm Gesamtwohnfläche gemeldet.

Aber es kommt noch besser: 4329 Gebäude wurden mit NULL qm Fläche gemeldet und zahlten demzufolge NULL Steuern. Niemand hat das kontrolliert. Jahrzehntelang ging das durch und die Gemeinde beantragte Zuschüsse vom Staat und musste sich verschulden.

Bei der Zählung auf der nur 40.000 Einwohner zählenden Insel wurden auch noch 15.000 Gebäude (!) festgestellt, die ohne Baugenehmigung errichtet wurden und gar nicht in der Statistik auftauchten.

Bei der Vollaufnahme der Gemeinde hat der Bürgermeister auch festgestellt, daß in seiner Gemeinde überdurchschnittlich viele Blinde wohnen, über 700 „Blinde“ bekamen eine staatliche Blindenrente. Trotz mehrfacher Vorladung zur Überprüfung kamen nur rund 150 zur Überprüfung der Blindheit, bei den anderen 550 wurde die Blindenrente gestrichen, was zu keinem Widerspruch führte.

Allerdings hat sich der neu gewählte Bürgermeister mit seiner neuen Art nicht nur Freunde gemacht: Auf der letzten Ratssitzung beschmissen ihn seine Kollegen mit faulen Eiern und faulem Obst.

Zakynthos ist nur EIN ORT in Griechenland. Ein kleiner. Wir wollen nicht wissen, was sich hochgerechnet aufs ganze Land ergibt…

Gefunden in der griechischen Tageszeitung Kathimerini