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Costa Concordia Kapitän hat gemäß Blackbox als einer der ersten das Schiff verlassen

Wäre der Kapitän der vor Italien gesunkenen Costa Concordia Pinocchio, hätte er jetzt eine ganz lange Nase: Die Ermittler haben zwischenzeitlich die geborgene Blackbox des havarierten Schiffes ausgewertet. Nach der Auswertung der dort aufgezeichneten Telefongespräche hat der Kapitän wohl als einer der ersten das sinkende Schiff verlassen. Es finden sich auf der Blackbox Telefonate mit dem Handy des Kapitäns, daß er doch wieder an Bord kommen möge, – dies war um 1.46 Uhr – als noch hunderte Passagiere auf dem Schiff verharrten und sich dieses schon deutlich zur Seite neigte. Zeugen wollen den Kapitän auch sehr früh im Hafen gesehen haben, als noch hunderte Passagiere an Bord waren. Um 1.42 hat der Kapitän mit der Hafenmeisterei telefoniert und mitgeteilt, daß man nicht mehr an Bord gehen könne, weil es zur Heckseite kippt.

Die Auswertung typgleicher Seekarten wie sie auch auf der Costa Concordia verwendet wurden, hat überdies gezeigt, daß der Felsen, auf den das Schiff aufgelaufen ist, eindeutig auf der Seekarte verzeichnet ist. Sofern der Kapitän keinen seltenen Fehldruck einer Seekarte hat, war der Felsen also eingezeichnet.

Der Kapitän hat zur Zeit des Auflaufens das Schiff offensichtlich manuell gesteuert und ist bewußt nah an der Insel vorbeigefahren, sodaß ein Fels aus der Felsengruppe „Le Scole“ das Schiff auf 70 Meter Länge aufreissen konnte.

Nachdenklich stimmt auch, daß sich der Kapitän angeboten habe, selber noch einmal an Bord zu gehen, aber nur, um die Blackbox zu holen. Ein Schelm, wer dabei denkt, daß er das Gerät dabei untauglich machen wollte…

Die Passagiere, die das Unglück überlebt haben, haben einen Erstattungsanspruch auf den kompletten Reisepreis plus Entschädigung für entgangenen Urlaub, was noch einmal die Höhe des Reisepreises ausmachen dürfte. Zudem wird verlorenes Gepäck – nach Nachweis oder Glaubhaftmachung – bis zur Höhe von 2400 Euro ersetzt. Auch Anreisekosten sind u.U. ersatzfähig. Ob die Kreuzfahrtgesellschaft darüber hinaus Erstattungen vornimmt oder vornehmen kann, bleibt abzuwarten, der Gesamtschaden wird schon jetzt auf über 500 Millionen Euro geschätzt. Möglich ist, daß dies die Gesellschaft – je nach Versicherungslage – überfordert.

Überlebenden Passagieren wird geraten, sich unverzüglich mit einem auf Reiserecht versierten Anwalt in Verbindung zu setzen. Manche der Ansprüche verfallen, wenn man sie nicht innerhalb von 4 Wochen nach Reiseende geltend macht.

Offensichtlich werden noch mehr als 20 Personen vermisst, die sich möglicherweise noch irgendwo eingeschlossen im Schiff befinden.

Francesco Schettino, der Kapitän der Costa Concordia sitzt derweil wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Diese wird er wohl nicht als einer der ersten verlassen können.