In Griechenland kommt die Staatspleite

So nahe war Athen noch nie an der Staatspleite, die Wahrscheinlichkeit, daß diese kurz bevor steht, wird immer größer.

Athen kommt ohne Hilfsmilliarden nicht mehr aus, – die Rettungspartner wollen diese aber nur leisten, wenn Athen auch Bedingungen erfüllt und Athen erfüllt die Bedingungen nicht. Auch nicht ansatzweise.

Also befasst man sich auf Retterseite schon mal damit, was eigentlich passiert, wenn Athen wirklich die Staatspleite vollzieht.

Die nächste Rettungstranche wird im September benötigt. Jetzt ist September. Doch die Troika aus Europäischer Union, EZB und IWF will nicht zahlen, da die vereinbarten Ziele der griechischen Haushaltssanierung in keinster Weise erfüllt worden sind.

Selbst wenn diese Institutionen wollten, sie werden es in den nationalen Parlamenten nicht durchsetzen können, weil sie sonst gänzlich an Glaubwürdigkeit verlieren.

Vizekanzler Rösler schließt die Staatspleite nicht mehr aus, im Bundesfinanzministerium räumt man ein, mittlerweile an solchen Szenarien zu rechnen.

Institutionelle Geldanleger, die eine Kreditausfallversicherung abschliessen wollen (Bankenterminus: CDS) müssen mittlerweile 40% Versicherungsprämie für griechische Staatsanleihen zahlen.

Rein juristisch gibt es keine Staatsinsolvenz, schon gar keine mit Restschuldbefreiung…. aber faktisch gibt es das natürlich schon: Ein Staat, der einfach kein Geld mehr hat. Das gab es in der Geschichte bereits mehrfach.

Nicht nur in Argentinien wurden Staatsanleihen nicht mehr bedient: Auch die frühere DDR war faktisch mehrfach pleite und konnte nicht mehr. Nur durch Riesen-Subventionen vom Westen konnte man das totale AUS zeitlich etwas nach hinten verlagern. Bis man zum Schluß sogar den friedlichen Demonstranten nachgeben mußte. Wäre die DDR ökonomisch gesund gewesen, hätte sie beispielsweise in Massen hochwertige Güter gegen Devisen exportiert, wäre das sicher nicht passiert. So aber hatte man noch nicht einmal genug Geld, um Bananen gegen Devisen einzukaufen und so wurde die Bevölkerung immer unzufriedener.

Auch Island war kurz vor der Staatspleite. Island ist aber im Verhältnis zu Griechenland ein kleines, unbedeutendes Land.

Wer sich an Argentinien erinnert: Dort mussten die Gläubiger auf 75% der Gelder verzichten. Dagegen wirken die 21%, die französische Banken bisher abgeschrieben haben, lächerlich.

Auch die EZB dürfte eher undankbar über einen Staatsbankrott Griechenlands sein, – hat sie doch milliardenschwere Bestände.

Griechenland muß auch bei Austritt aus dem Euro dennoch die Schulden, die sie jetzt haben, in Euro zurückzahlen. Dies wird den Griechen bei Einführung einer eigenen neuen Währung noch schwerer fallen als bisher schon.

Die große Gefahr eines Staatsbankrottes wie im Falle Griechenlands ist aber das Auslösen einer Finanzkrise ähnlich wie die Lehman-Krise. Vermeldet Griechenland den Staatsbankrott, sind sofort einige große französische Banken pleite. Diese können dann Verbindlichkeiten bei anderen internationalen Banken nicht mehr bedienen, z.B. auch bei US- und deutschen Banken. Dies wiederum führt dann zu einer Kettenreaktion. War alles schon mal da. Zu Lehman-Zeiten.

Der Euro wird weiter abstürzen, Gold und Silber dramatisch steigen und es wird Engpässe bei der Versorgung mit Gold und Silber geben.

Der EU-Vertrag sieht keinen Austritt und keinen Rauswurf aus der Eurozone vor. Allerdings sieht der EU-Vertrag auch nicht vor, daß man bereits beim Eintritt von Griechenland betrogen wird. Insoweit halten mittlerweile auch Kenner der Materie einen Rauswurf Griechenlands für möglich. Die Experten der Finanzministerien dürften schon an einem Konzept arbeiten, – auch wenn man dies noch nicht offen einräumt.

Es wäre übrigens nicht die erste Staatspleite Griechenlands. Historiker finden die letzte Staatspleite Griechenlands im Jahre 1893, – die Griechen gingen damals am fallenden Preis für das Hauptexportgut, die Korinthen, bankrott.