Die Silberspekulation der Hunt Brüder

Immer öfter hört man dieser Tage in Zusammenhang mit den jüngsten Comex-Margin-Erhöhungen „Das ist ja wie damals bei den Hunt-Brothers“… doch was war eigentlich „damals“ mit den Brüdern Hunt?

Die Hunt-Brüder hatten die bislang größte Silberspekulation losgetreten, die es je gab und durch eine „Spielregeländerung“ an der New Yorker Comex – Börse brach deren gesamte Spekulation auf weiter steigende Silberpreis zusammen.

Im Detail lief es wie folgt ab:

Die Hunt-Brüder hatten unheimlich viel Geld im Ölgeschäft verdient, u.a. auch in Libyen. In den 70er Jahren war der private Goldbesitz in den USA noch verboten, also bot sich Silber für eine Spekulation den Hunt-Brüdern förmlich an. Die Hunt Brüder kauften zwischen 1970 und 1973 über 200.000 Silberunzen und konnten zusehen, wie der Silberpreis sich von 1,50$ auf 3$ pro Unze bewegte, sie hatten damit Ihr Kapital innerhalb von 3 Jahren verdoppelt.

Sie betrachteten die Diversifikation in Silber als eine Art Absicherung gegen Vermögensverfall, weil damals bereits die Inflation stieg, Zweifel über Geldverschwendung in der Regierung aufkamen und auch in den Ölförderländern wie Libyen politische Unsicherheiten auftraten. Für den Fall politischer Unruhen oder Hyperinflation rechneten sie mit weiteren Preissteigerungen bei den Edelmetallen, was dann die Verluste aus anderen Investments, wie z.B. Öl wettmachen sollte.

Damals forderte Libyen plötzlich 50% der Ölumsätze als „Gebühr“ und versuchte, alle ausländischen Ölgesellschaften des Landes zu verweisen, so auch die Hunt-Beteiligungen.

Die Hunt-Brüder kauften in der Folge ab 1973 Silber in großen Mengen ein, schnell kamen Kaufverträge über 55 Millionen Unzen zusammen, das waren 8% der Weltnachfrage.

Weil die Hunt-Brüder Angst davor hatten, daß der Staat das Silber, was sie gekauft hatten, konfiszieren würde, beantragten sie die physische Auslieferung des Silbers der kompletten Menge, 55 Millionen Unzen.

Als er es physische nach Texas bringen wollte, erhob der Staat eine erste Steuer in Höhe von 5% („franchise tax“). Man brachte daher beträchtliche Silbermengen in die Schweiz zur Verwahrung in Schweizer Tresoren.

Die Silbertransporte gingen damals durch alle Zeitungen, weil zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge und Flugzeuge dafür gechartert werden mußten, um die Ware nach Zürich zu bringen.

Insgesamt verbrachten sie 40 Millionen Unzen in die Schweiz, 15 Millionen wurden in den USA gelagert.

Alleine der Tranport kostete rund 200.000 US$.

Doch es sollte sich rechnen. Bereits im Jahr 1974 stieg der Silberpreis auf das Doppelte, auf 6$/oz

Dem einen oder anderen Marktteilnehmer waren die Silberhort-Prozesse rund um die Hunt-Brüder wohl ein Dorn im Auge, der jährlich Welt-Silberverbrauch lag damals bei rund 450 Millionen Unzen. Man unterstellte den Hunt-Brüdern, daß sie das Silber nur kauften, um es künstlich zu „cornern“, d.h. zu halten und nach späteren Preissteigerungen erst wieder in den Markt einfließen zu lassen. Was ja im Prinzip nicht verboten ist.

In 1975 versuchten die Huntbrüder auch den Schah von Persien und andere Regenten davon zu überzeugen, in Silber als Investment einzusteigen, um auch die eigenen Bestände im Wert steigern zu können und um ggf. Ware zu hohen Preisen abgeben zu können. Die meisten ließen sich aber nicht darauf ein.

In 1977 kaufen Sie beachtliche Anteile an Amerikans größter Silbermine, Sunshine Mine, – durch eine von Ihnen kontrollierte Gesellschaft Great Western United.

In 1977 wandten sie sich zwischenzeitlich auch der Spekulation mit Sojabohnen zu, setzten dabei teilweise ihr Silber als Sicherheit ein.

Das Vermögen der Huntbrüder wurde Ende der 70er-Jahre auf 6 bis 8 Milliarden US$ geschätzt.

Nachdem Silber zwischenzeitlich einmal auf 4$/oz gefallen war, stieg Silber im Jahr 1979 auf 8$ oz

Im Sommer des Jahres 1979 startete man wieder eine Einkaufswelle bei Silber, – zusammen mit Partnern aus Saudi Arabien, die man zwischenzeitlich gewonnen hatte. Über 43 Millionen Silberkontrakte wurden an den Börsen COMEX und CBOT gekauft. Die Auslieferung sollte im Herbst desselben Jahres stattfinden. Auch durch die massiven Käufe stieg Silber dann von 8 auf 16$ pro Unze, es verdoppelte sich in kurzer Zeit. Auch andere Investoren wurden durch eine solche Entwicklung angezogen, die gleichfalls Silber kauften oder kaufen wollten.

An der Comex wurde man langsam nervös, weil man dort gerne Silber auf Papier verkaufte, die Hunt-Brüder aber regelmässig die Auslieferung verlangten. So viel physisches Silber war aber schwierig in der Kürze der Zeit zu besorgen, erste Beratungen bei der Comex kamen in Gang. Immer wieder kam das Gerücht von Silber-Beschlagnahmungen durch den Staat auf, sodaß die Hunt-Brüder weitere Millionen Unzen in die Schweiz verbringen ließen.

Dokumentiert sind alleine weitere 9 Millionen Unzen, die durch einen Swap in die Schweiz verbracht wurden.

Im Lager der Comex un der CBOT waren damals maximal 120 Millionen Unzen Silber, – das war aber auch exakt das Handelsvolumen alleine aus dem Monat Oktober und damit zuwenig.

Um nicht mehr Silber ausliefern zu müssen, als man tatsächlich hatte, änderte man einfach während des Spiels die Spielregeln: Die Comex beschloß, daß kein Investor mehr als 3 Millionen Unzen halten dürfe und daß zudem die Margin-(Sicherheits-) Hinterlegungen deutlich erhöht werden müssen.

Alle Verträge über 3 Millionen Silberunzen mussten bis Februar 1980 aufgelöst werden.

Angesicht dieser Regeländerung äußerten die Hunt-Brüder, daß die Comex-Verantwortlichen wohl selber mit Silber spekulieren würden und zwar gegen die Huntbrüder, sie hätten wohl Silber verkauft, was sie gar nicht hätten und wollten jetzt den Kurs künstlich drücken, um dieses dann billig einkaufen zu können.

Eine spätere Untersuchung zeigte übrigens, daß die Hunt-Brüder mit dieser Vermutung Recht hatten, etliche Comex-Verantwortliche hatten entsprechend spekuliert.

Die Huntbrüder jedenfalls kauften in dem Wissen auf jeden Fall noch zahlreiche weitere Silberkontrakte und konnten täglich zusehen, wie Silber stieg.

Am letzten Handelstag des Jahres 1979 stand Silber dann bei 34,45$ die Unze, die Hunt-Brüder hatten ein beträchtliches Vermögen dazu gewonnen und besaßen Riesenmengen Silber.

Zu den Beständen in der Schweiz (mind. 40 Millionen Unzen) besaß man 90 Millionen durch eine Investmentgesellschaft International Metals, weitere 90 Millionen Unzen zur Lieferung an der Comex im März 1980. Ein anderer Bruder hatte bis Ende 79 Bestände im Volumen von 300 Millionen Unzen aufgebaut.

Das wurde der COMEX langsam ungeheuerlich und man änderte erneut die Regeln. Am 7.Januar beschloß man, daß auch Händler höchstens Kontrakte im Volumen von 10 Millionen Unzen halten dürfen und daß alle Kontrakte über diesen 10 Millionen bis spätestens 18.Februar 1980 aufgelöst werden müssten.

Die Hunt-Brüder kauften auch weiterhin, der Silberpreis stieg auf 50$/oz (17.Januar 1980). Die Hunt-Brüder hätten somit mit Ihrem Bestand von 4,5 Milliarden Dollar in Silber rund 3,5 Milliarden Dollar Gewinn gemacht oder in anderen Worten: 3500 Millionen Dollar Gewinn.

Die Comex wußte sich nicht mehr anders zu helfen, als am 21.Januar den Silberverkauf gänzlich einzustellen. Lediglich die Auflösung von Kontrakten war noch erlaubt.

Silber fiel sofort um 10$/oz und stand Ende Januar bei rund 39$/oz.

Auf der ganzen Welt machten Menschen Silber zu Geld, Besteck und Silbermünzen, deren Silberwert höher war als das Nominal wurden eingeschmolzen, über 22 Millionen Unzen kamen so alleine aus Schmelzsilber zustande.

Mitte März 1980 stand Silber nur noch bei 21$/oz, die Comex arbeitete gegen die Hunt-Brüder.

Die Huntbrüder versuchte, weitere Investoren zu finden, die große Silbermengen kauften, um den Preis wieder nach oben zu bringen. Sie unternahmen auch Touren durch Europa, um dort Investoren zu finden. Auch selber investierte man weiter in Silber, aber am 25.März 1980 ging den Huntbrüdern das Geld aus, da die Comex-Forderungen nach immer höheren Margins beglichen werden mußten.

Eine Marginanforderung in Höhe von 135 Millionen Dollar konnte nicht mehr befriedigt werden und man verkaufte Silber im Gegenwert von 100 Millionen US$.

Am 27.März, dem sogenannten Silberdonnerstag eröffnete Silber mit 15,80$ und schloß mit 10,80$. Auch die Aktienbörse chrashte, weil man erwartete, daß die Huntbrüder auch große Aktienpakete verkaufen würden, um sich Liquidität zu verschaffen.

Am nächsten Tag konnte Silber sich auf 12$ verbessern. Die Silberbestände der Huntbrüder waren durchschnittlich zu 10$ eingekauft, aber die eingekauften Silber-Futures, also die Kontrakte, die sie zur Abnahme in der Zukunft zwangen, hatten einen Durschnitts-Einkaufspreis von 35$ oz.

Auch wenn sie alle Kontrakte und Bestände liquidierten, waren sie noch mit 1,5 Milliarden $ verschuldet.

Unter dem FED-Chef Volker kam ein Zusammenschluß von Banken zustande, die den Huntbrüdern 1, 1 Milliarden Dollar liehen, wofür Sie aber 8 Milliarden an Sicherheiten den Banken geben sollten.

Mitte der 80er stand Silber wieder bei 17$/oz. 1988 wurde seitens der beteiligten Hunt-Brüder die Insolvenz beantragt, – in 1989 konnten die Hunts einen Kontrakt schließen, der ihnen noch 5 bis 10 Millionen Dollar beließ, aber gleichzeitig die Verpflichtung auferlegte, innerhalb von 15 Jahren 90 Millionen US$ abzuzahlen.

Nachdem im Jahr 2011 Silber um über 60% gestiegen war, hat auch im Jahr 2011 die COMEX „während des Spiels“ die Spielregeln mehrfach geändert und 5x kurz hintereinander die Margin-Anforderungen deutlich erhöht, sodaß Silber von den 60% Steigerung 30% wieder einbüßte.

Der Privatanleger sollte daraus lernen, NIEMALS Silber in „Papierform“ zu kaufen, auch nicht in Form von Futures, Zertifikaten, Optionsscheinen etc., sondern immer nur direkt in physischer Form. Bei Futures & Co. kann ansonsten eine „Spielregel-Änderung“ der beteiligten Banken oder Börsen einen bösen Strich durch die Rechnung machen.

Die wichtigste Börse für „Papier-Silber“ könnte schließen, es könnte zu Mengenbeschränkungen kommen, – alles das haben die Hunt-Brüder erlebt. Das Genick hat den Hunt-Brüdern nicht der tatsächlich vorhandene Silberbestand gebrochen, sondern das auf Papier gekaufte Silber, wofür die COMEX-Börse einfach die Spielregeln einseitig und plötzlich änderte.

Hätte Nelson Bunker Hunt nur physisches Silber gekauft und nicht an der Comex mit Silber Futures „gespielt“, hätte er pro Feinunze auch weiterhin sehr schön am steigenden Silberpreis verdienen können. Ein Ratschlag, der nicht nur für die Brüder Hunt gilt, sondern für alle Investoren, ob in Öl oder in Gold und Silber investierend.