Die Auswirkungen der lockeren Fed-Geldpolitik

Jean-Claude Trichet als Chef der EZB hat die Zinswende im Euro-Raum eingeläutet, als der Leitzins um 14 Prozent auf 1,25% angehoben wurde. Mit Spannung wurde dann die erste Pressekonferenz in der fast 100-jährigen Geschichte der Federal Reserve erwartet, in der die aktuelle Zinsentscheidung und die vierteljährlichen Konjunkturaussichten bekannt gegeben werden sollten. Eine Überraschung gab es dann doch nicht, denn der Leitzins wurde im Korridor 0-0,25% belassen. Die Konjunkturaussichten wurden daneben auch etwas nach unten korrigiert.

Tagesschau.de hat sich 8 Fragen vorgenommen, die in Bezug zur Fed von Interesse sind und versucht, Einblicke und Einschätzungen zu geben.

  • Was ist die derzeitige Politik der Fed?

Momentan verfolgt die Fed weiterhin eine sehr lockere Geldpolitik, die es Banken ermöglicht, billiges Geld zu leihen, um eigene Geschäfte zu refinanzieren. Dazu kauft die Fed derzeit jeden Monat US-Staatsanleihen im Wert von 110 Mrd. US-Dollar auf und bringt so frisches Geld in den Markt. Das Staatsanleihen-Kaufprogramm soll noch bis 30. Juni 2011 weitergeführt werden.

  • Welche Folgen hat die Fed-Politik?

Durch die extreme Niedrigzins-Politik will die Fed den fragilen wirtschaftlichen Aufschwung weiter stützen. Firmen bekommen so auch günstige Kredite, um Investitionen zu tätigen oder zu expandieren. Über die Auswirkungen auf den Konsum kann dagegen gestritten werden. Einerseits sind Verbraucherkredite günstig zu haben. Andererseits schadet die derzeitige Fed-Politik der Kaufkraft des US-Dollar und damit könnte sie auch den Konsum schwächen, der für die USA so wichtig ist, macht er doch 70% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Vom Inflationsrisiko ganz zu schweigen.

  • Die Vorwürfe der Kritiker?

Die Kritik richtet sich vornehmlich darauf, dass die Fed als einzige Zentralbank der Welt noch nichts gegen die drohende Inflation tut. Die L.A. Times schreibt z.B. das Bernanke ein „Außenseiter unter den Notenbankern“ sei. „Barron’s“, ein Finanzmagazin schreibt: „Die meisten anderen Notenbanken bekämpfen die Inflation und stärken ihre Währungen.“ und „Die Probleme sind maßgeblich von der US-Notenbank kreiert worden.“ Der Dollar und die Fed haben im eigenen Land einen Vertrauensverlust zu bekämpfen, denn wie wir berichtet haben, wollen neben Utah, die bereits Gold und Silber wieder als offizielles Zahlungsmittel eingeführt haben, noch 12 weitere US-Bundesstaaten laut über Gold und Silber nach. In der Pressekonferenz wurden Edelmetalle aber mit keinem Wort erwähnt. Seltsam?

  • Stellt die Inflation ein Problem für die USA dar?

Ja. Zum einen mussten amerikanische Autofahrer in den vergangenen 12 Monaten insgesamt 121 Milliarden US-Dollar an Mehrkosten aufbringen, wenn sie getankt haben. Außerdem gibt es in den USA offenbar verschiedene Ansätze und Vorstellungen, wie die Inflation berechnet wird. Das US-Arbeitsministerium hat für März 2011 eine Steigerung der Lebenshaltungskosten von 2,7% berechnet. Die Fed ihrerseits sieht keinen Zusammenhang zwischen gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreisen und der Geldmenge. Sie hat eine Inflationsrate von „nur“ 1,6% berechnet. Eines ist jedoch Fakt: In beiden Fällen sinkt das reale Einkommen der Amerikaner, weil Preise schneller steigen als die Gehälter.

  • Die Risiken des enormen US-Haushaltsdefizits?

Wie wir bereits berichtet haben, steigen die Schulden der USA Schätzungen zufolge im laufenden Jahr um bis zu 1,65 Billionen US-Dollar, rund 10% des BIP. Die Gesamtschuldenlast der USA beläuft sich auf gigantische 14,2 Billionen US-Dollar. Ein größeres Minus in der Staatskasse gab es seit 50 Jahren nicht mehr. Nun wird sogar an der Kreditwürdigkeit der USA gezweifelt, wie die Ratingagentur „Standard & Poor’s“ kurz vor Ostern bewiesen hat (wir berichteten ebenfalls). Würde das Rating gesenkt, würden die Zinsen für US-Staatsanleihen steigen und könnten das fragile Wirtschaftswachstum ersticken, was die Gefahr einer erneuten Rezession birgt.

  • Die Haltung der Fed zur Haushaltsmisere?

Ben Bernanke selbst hat von der US-Regierung einen drastischen Sparkurs verlangt. Wörtlich sagte er: „Ab einem gewissen Punkt wären die Vereinigten Staaten in einer Position, in der sie nur noch den Staatsbankrott erklären könnten. Die Folgen davon für unser Finanzsystem, für unsere Finanzpolitik und für die Wirtschaft wären katastrophal.“ Kritiker geben aber auch der Fed eine Mitschuld, denn eine „Politik des billigen Geldes“ verleitet dazu, dass auch Staaten über ihre Verhältnisse leben. Seit den 1990er Jahren musste die gesetzliche Schuldenobergrenze der USA beinahe jährlich erhöht werden, so geschehen erst vor wenigen Wochen, als in letzter Minute die vorübergehende Inflation der USA gerade noch abgewendet werden konnte. Daneben ist die Fed nun auch der größte Gläubiger der USA aufgrund des Staatsanleihen-Aufkauf-Programms. China wurde auf Platz 2 verdrängt.

  • Auswirkungen der EZB-Zinswende auf die USA?

Wie eingangs erwähnt, hat die EZB den Leitzins etwas angehoben, um die drohende Inflation zu bekämpfen. Dass die USA dies nicht tut, hat Auswirkungen auf den Wechselkurs zwischen den Währungen und das angelegte Kapital, das dorthin fließt, wo es mehr Ertrag bringt. So kostete ein Euro kurz nach der Fed-Pressekonferenz wieder so viel wie zuletzt 2009, nämlich 1,48 US-Dollar.

Die Fed beharrt weiter auf ihrem Kurs, weil sie sich Sorgen um die Stabilität des US-Arbeitsmarktes macht, für den sie auch zuständig ist. Sie muss also immer ganz genau abwägen, welche Entscheidung sich wie auf die beiden Bereiche auswirken würde. Fed-Chef Ben Bernanke hat verkündet, dass sich erst der Arbeitsmarkt wieder stabil entwickeln muss, bevor er über ein Ende des Stützprogramms nachdenken wird. Die Teuerung sieht er laut offizieller Angabe als temporäres Phänomen, dass von den Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten massiv beeinflusst ist. Ob er das auch tatsächlich glaubt, weiß er nur selbst. Viel Sinn hat diese Aussage nicht, da sich der Trend schon lange vor den ersten Unruhen abgezeichnet hat.

(Quelle: tagesschau.de)

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