Das Versagen der europäischen Eliten

von Artur P. Schmidt

Weltweiter Finanzkrieg

Der August-Crash an den weltweiten Aktienmärkten hat aufgezeigt, dass in den letzten Wochen bewusst eine Deflationierung der Weltwirtschaft eingeleitet wurde. Hierbei wurden global wieder einmal riesige Vermögen in wenigen Handelstagen vernichtet. Die Spekulationswelle traf vor allem europäische Defizitländer, die zwar Reformen durchführen, jedoch voll unter Beschuss gerieten. Aber auch die Schweiz wurde attackiert und der schweizerische Franken kurzzeitig bis zur Parität gegenüber dem Euro aufgewertet. Dass derartige Attacken nur aus dem unregulierten Hedgefonds-Bereich kommen können, d.h. vorwiegend aus dem britischen und amerikanischen Derivateumfeld, liegt auf der Hand. Leider erkennen die europäischen Eliten nicht, dass wir uns längst in einem weltweiten Finanzkrieg befinden, bei dem schon Gerüchte, wie eine angebliche Abstufung Frankreichs, ausreichen um den Dax um bis zu 10 Prozent intraday in die Tiefe rauschen zu lassen.

Ablenkungsmanöver

Da viele US-Grossbanken ihre Handelsabteilungen wegen der Regulierungmaßnahmen in so genannten „Special Investment Vehicles“ eingebracht haben, können diese sich der Bankenaufsicht entziehen. Es hat den Anschein, dass hier bewusst eine Lücke geschaffen wurde, da es im amerikanischen Interesse liegt, wenn sich der Brennpunkt der Wahrnehmung auf Europa und nicht auf die eigenen Probleme fokussiert. Der gezielte Einsatz von Derivaten, die nicht umsonst von Warren Buffet, als “finanzielle Massenvernichtungswaffen“, im Besonderen von Vermögen, bezeichnet wurden, ist eine postmoderne Form der Kriegsführung auf den internationalen Finanzmärkten. Hierbei geht es um nichts geringeres als darum, die hegemoniale Stellung des US-Dollar zu bewahren. Denn so lange dieser Weltwährung ist, kann Amerika die Finanzmaerkte nach Belieben manipulieren. Auch eine Destabilisierung Chinas, wegen der dort immer akuter werdenden Immobilienblase, liegt im Interesse der USA. Das große Problem hierbei ist, dass die europäischen Eliten das Spiel der Amerikaner nicht durchschauen oder aber bewusst mitspielen.

Wachen die Eliten auf?

Wer jetzt den Euro aufgeben will oder sich einer einheitlichen europäischen Finanzpolitik (später auch von Eurobonds) widersetzt erkennt nicht, dass hinter der Destabilisierung des Euroraumes geopolitische finanzielle Interessen stehen. Eine Aufgabe des europäischen Gedankens würde bedeuten, dass sich Europa der internationalen Finanzmafia unterwirft. Ein Rückschritt hin zur D-Mark, wie von vielen gefordert, wäre ein Anachronismus, denn letztendlich war und ist Deutschland einer der größten Profiteure des europäischen Wirtschaftsraumes. Die Eliten Europas sollten deshalb sofort beginnen, Druck auf das angeschlagene Amerika aufzubauen und endlich dafür zu sorgen, dass es zu einer massiven Regulierung von Hedgefonds oder außer bilanziellen Aktivitäten von Banken kommt. Der weltweite Derivatemarkt, der nur aus Wetten auf die Zukunft besteht und nicht mehr aus Werten, muss eingehend untersucht werden, und mögliche Kartelle oder gezielte Manipulationen der Märkte zukünftig zu verhindern. Wie ahnungslos sind eigentlich europäische Politiker, wenn Sie die tickenden Zeitbomben des Derivatemarktes nicht entschärfen und stattdessen tatenlos zuschauen wie Großspekulanten mit gezielten Gerüchten, Rekordgewinne einfahren, während der einfache Bürgers die Zeche dieser Wetten bezahlen muss. Auch müssen die Konstruktionsfehler der Europäischen Gemeinschaft schnellstens beseitigt werden, damit einer der größten Wirtschaftsräume der Welt wieder zu einem Wachstumsmotor der Weltwirtschaft werden kann.