Chinesen kaufen mit Medion den Aldi PC-Lieferanten

Was war die Welt noch in Ordnung, als früher die deutschen PC-„Hersteller“ ihre PCs in Asien fertigen ließen und hier in Europa verkauften. Die Chinesen wollen nicht mehr länger nur von billigen Fabrikarbeitern profitieren, sondern auch den Gewinn aus dem Handel abschöpfen.

Jüngstes Beispiel ist die im Ruhrgebiet ansässige Firma Medion, Haus- und Hoflieferant der ALDI Discountkette hinsichtlich Computer und Elektronik. In den 80er und 90er-Jahren bildeten sich regelmässig lange Schlangen vor den Aldi-Filialen, wenn es wieder einen neuen Aldi-(Medion-) PC gab. Diese waren i.d.R. mit deutlich mehr ausgestattet als sonstige im freien Handel erhältliche PCs und vor allem: preiswerter. Medion konnte durch das große Netzwerk der Aldi-Filialen auf einen Schlag Riesenmengen an PCs absetzen und mutierte innerhalb kurzer Zeit zu einem der größten PC-Verkäufer Deutschlands.

Medion setzte im Jahr 2010 1,64 Milliarden Euro um. Das von Gerd Brachmann gebründete Unternehmen geht nun zu zunächst 36,66% an den chinesischen Computerbauer LENOVO, der bereits die IBM-PC-Aktivitäten gekauft hatte und als drittgrößter PC-Lieferant der Welt gilt.

Brachmann erhält dem Vernehmen nach ca. 80% des Kaufpreises von 230,7 Millionen Euro in bar, die restlichen 20% in Lenovo-Aktien. Lenovo bietet den anderen Medion-Aktionären 13 Euro je Aktie, am liebsten würde man jede Aktie einsammeln. 13 Euro je Aktie ist rund 13 über dem zuletzt notierten Kurs der Aktie, bevor das Übernahmeangebot bekannt wurde.

Medion verkauft mittlerweile nicht mehr nur PCs, sondern ebenso Monitore, Fernseher, Navigationsgeräte und bietet mit AldiTalk in Kooperation mit eplus Handytarife an. Die Chinesen hätten somit gleich in mehreren Sparten den Fuß in der Tür.