Betrügerbande mit Edelmetallshops festgenommen

Lange hat es gedauert, dann wurde man der Bande doch habhaft. Insgesamt konnte die Polizei neun Tatverdächtige festnehmen, die in den letzten Monaten rund 100.000 Opfer betrogen haben sollen. Die Masche war immer gleich: Man baute einen Internetshop auf und bot hochwertige Waren an, z.B. Goldmünzen und Goldbarren. Oft waren die Onlineshop-Auftritte den Auftritten real existierender und seriöser Adressen nachempfunden, bis hin zur Übernahme der Produktabbildungen und Firmengebäude. Abweichend und i.d.R. erfunden waren die Firmenanschriften und Steuernummern, sofern überhaupt angegeben.

Auf ständig wechselnde Bankverbindungen haben die Opfer dann die Gelder überwiesen, – die Betrüger bedienten sich dabei sogenannter „Finanzagenten“, die über Kleinanzeigen gewonnen wurden und ein Konto zur Abwicklung zur Verfügung stellten.

170 Polizisten durchsuchten zeitgleich rund 30 Objekte in Deutschland und Österreich, – der Drahtzieher der Bande aus Nordrhein-Westfalen und einige seiner Kumpane sitzen mittlerweile im Gefängnis.

Der Schaden ist in Millionenhöhe, über 900 „Finanzagenten“ wurden für den Kontenmißbrauch eingesetzt, – nach jeweils kurzer Zeit mußten diese immer ausgetauscht werden, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft ein Konto geschlossen hatte. Gegen Provisionszahlung stellten die Finanzagenten die Konten zur Verfügung und leiteten die Gelder weiter. Gegen alle Finanzagenten wird nunmehr ein Verfahren wegen des Verdachts der leichtfertigen Geldwäsche eingeleitet.

Die Betrüger hatten unter anderem von ihren neu geschaffenen Internetshopseiten auf Pseudo-Bewertungssystem-Homepages gelinkt, die positive Bewertungen vorgaukeln sollten.

Die Betrüger gingen sogar soweit, daß sie Forenbetreiber von Onlineforen, die sich mit Gold und Silber beschäftigen, abmahnten, als diese negativ über die vermeintlichen Betrügershops berichteten. Nicht alle ließen sich allerdings einschüchtern.

Im Bayerischen Landeskriminalamt wurde in Kooperation mit der Staatsanwaltschaft Augsburg etwas über ein Jahr lang an diesem Fall ermittelt, – in einer solchen Dimension war das auch für die Staatsanwaltschaft neu.

Aber wie so oft im Leben: Lügen haben kurze Beine: Nunmehr sitzen wohl alle Drahtzieher der Aktion hinter schwedischen Gardinen und sehen einem Prozess entgegen. Bei dem Schadensvolumen im Millionenbereich dürfen sie wohl kaum mit Bewährungsstrafen rechnen können.

Die Bande wurde in diversen Foren als „Fakeshop“-Bande bekannt.

Es gibt zahlreiche, seriöse Edelmetallshop-Betreiber. Als ein Indiz für die Seriösität der Adresse darf die Listung bei www.Bullion-Investor.com und/oder die Mitgliedschaft im Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels dienen. Bei den Betrüger-Fakeshops wurden fast durchgängig zu tiefe Preise für die Waren angegeben, um möglichst schnell, möglichst viele Aufträge zu generieren. Auch ein Indiz für möglichen Betrug.

Bei den vermeintlichen Ganoven konnten auch Barmitteln und Vermögen sichergestellt werden, – wer betrogen worden ist oder Forderungen hat, sollte sich ggf. mit der Staatsanwaltschaft Augsburg in Verbindung setzen: Tel. 0821-31050, Fax 0821-3105-1213 oder poststelle@sta-a.bayern.de